Eat, Pray, Love Elizabeth Gilbert

Eat Pray Love Elizabeth Gilbert

Elizabeth Gilbert ist Mitte Dreißig und steht in der schlimmsten Lebenskrise, die ihr das eigene Leben bieten kann. Von Depressionen gequält und von der Frage nach dem ‚Warum’, bietet sich ihr die Möglichkeit ein Jahr lang, auf eine Reise in ihr Innerstes zu gehen. Eine Scheidung und eine gescheiterte Beziehung später nimmt sie sich die Zeit für gutes Essen, die Liebe zu sich und für Gebete. Ein Jahr lang erforscht Gilbert ihr Selbst durch Extreme, die der Normalmensch nicht als solche empfinden würde.
Das Buch ist in drei Teile unterteilt. In einer kleinen Einführung gibt Gilbert bereits eine Exkursion in ihren Lebensstil und erklärt den weiteren Aufbau ihres Romans.

Teil Eins: Eat.
Nach ihrer Scheidung und der gescheiterten Beziehung zu David, die ihr psychisch den Rest gibt, bekommt sie die Möglichkeit eines sogenannten Sabbatjahres. Sie verkauft die Idee ihres danach zu schreibenden Buches an ihren Verleger und macht sich auf die Reise nach Italien. Sie schreibt sich in eine Sprachenschule ein und beginnt die Sprache des Landes zu studieren. Gilbert lernt Italien und seine Menschen, seine Einstellung zum Leben und Glauben auf zwei Arten kennen. Durch Essen und die Sprache. Gilbert schafft es bei der Beschreibung der verschiedenen Speisen, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft, man die sinnliche Erfahrung beinahe körperlich zu spüren, ohne dass man einen Augenblick später frustriert und mit knurrendem Magen vor dem eigenen Kühlschrank hockt, zu beschreiben. Sie lernt, dass sie sich etwas gönnen kann, ohne sich hinterher die Frage zu stellen, ob ihr dieses überhaupt erlaubt war. Genießen ohne Reue, schwelgen, weil die Seele es braucht, diese Erfahrung nimmt sie mit aus Italien. Dass sich durch dieses Prassen der Kalorien auch ihr Äußeres positiv verändert, stellt sie am Schluss des ersten Buches fest. Nicht alle Kalorien lassen sich durch eine gepeinigte Seele verbrennen. Elizabeth Gilbert lernt aber auch, dass sich die vielen Charaktere und Psychen meist mit einem Wort beschreiben und auf den Punkt bringen lassen.


Teil 2: Pray

Indien. Elizabeth Gilbert praktiziert, angeregt durch die Beziehung mit David, Meditationen. Sie findet ihre Meisterin, und nachdem sie Italien verlassen hat, ist der Ashram in Indien das nächste Ziel ihrer Reise. Von der Wolllust in die Askese. Pasta gegen Rohkost, Cappuccino gegen stundenlange Mantras. Extremer können die körperlichen Erfahrungen innerhalb kürzester Zeit nicht auf Körper und Seele einwirken. Im Ashram lernt sie Richard aus Texas kennen. Sie quält sich durch ihre Selbstfindung und Richard, ein Weltenbummler des Geistes, ist immer dann zur Stelle, wenn es ihr daran mangelt, das Erlebte auf den Punkt zu bringen. Wenn sie selbst um die Erkenntnis herum wabert, wie ihre Träume. Sie hadert in dieser Zeit mit sich und ihren Erfahrungen, schafft es aber letztendlich doch, dass zu erreichen, was man die göttliche Erfahrung nennen möchte. Erstaunlich für den Leser zu sehen, dass ihr dies nur in Verbindung zu anderen Ashramies gelingt. Aber immerhin findet sie diese Erleuchtung und sie sei ihr gegönnt.

Teil Drei: Love
An ihren Besuch in Indien schließt sich die Reise nach Bali an. Ein Paradies für jeden, der die Verbindung von Genuss und Askese sucht. Ein Widerspruch in sich? Nein, denn Bali ist das beste Beispiel dafür, dass es funktionieren kann. Zwischen Gebeten, Gesetzen für das Beten, liegt immer noch genug Zeit sich der Lebensfreude zu widmen. Auf Bali sucht Gilbert den Priester und Heiler Ketjup auf, der sie vor Jahren dazu aufgefordert hat zu ihm zurückzukommen, um seine Schülerin zu werden. Außerdem findet sie hier, nach einem Unfall mit dem Fahrrad, die Heilerin Wayran, mit der sie nach einiger Zeit eine innige und tiefe Freundschaft verbindet. Da Bali als Aussteigerparadies für Westler gilt, lernt sie dort auch das süße Leben derer kennen, die sich eigentlich nur vor der Welt als das verstecken, was sie in der Leistungsgesellschaft sind: Verlierer. Doch nicht alle sind Verlierer und gescheiterte Existenzen mit dickem Geldbeutel. Gilbert lernt Felipe kennen. Einen Australier mit brasilianischem Hintergrund. Sie wehrt sich gegen seine Zuneigung, die alten Ängste tauchen wieder auf und doch kann sie irgendwann seine Präsenz als das genießen, was sie ist: als ehrliche Liebe.

Bilanz:
Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, wenn ich dieses Buch aufschlage. Ich kannte diese Frau nur von einem youtube-link, den mir eine gute Freundin zukommen ließ. Sicherlich war ich, als ich dieses Video sah, in einer ähnlichen Situation wie Mrs. Gilbert, als sie ihr – mittlerweile auch verfilmtes – Buch schrieb. Trotzdem konnte ich mich nicht gegen meinen ersten Eindruck erwehren, der da lautete: Oh, eine dürre, blonde, Amerikanerin, die dem Rest der weiblichen Welt erklären will, wie man es zu was bringt. Die Stimme auf dem Video zitterte vor Aufregung und ich ahnte – was meinem ungefähren Erfahrungsschatz mit solchen Frauen entspricht – dass in der ersten Reihe, die Kerle wahrscheinlich dahinschmelzen würden und diese Frau, dort auf der Bühne, mit an 100%-iger Sicherheit, alles von diesen Typen bekommen konnte, wenn sie nur den richtigen Augenaufschlag nutzen würde. Dieser blonde, dürre Typ von Frau war mir immer schon mehr als nur suspekt. Ob da Neid auf diesen Typus Frau mitspielte? Nein, sicher nicht. Nur Mitleid und Kopfschütteln über die Kerle, die auf „so was“ hereinfielen.

Im Laufe des Buches lässt uns Elizabeth Gilbert an ihrem Seelenunheil teilhaben. Beschreibt, wie und warum es dazu kam, wie sehr es sie quälte. Wäre dieses eine gehässige Rezension, würde ich sagen: Herzlichen Glückwunsch und willkommen im Leben.
Depressionen sind grausam, vor allem, wenn man mit ihnen umgehen muss. Falsche Selbstbildnisse sind grausam, vor allem, weil man ihnen gerecht werden muss. Wie man sich darstellt – und dies unter Betrachtung oder in Verbindung mit einer Depression – fällt langläufig unter das, was man einen harten Job nennt. Gilbert unterscheidet hier nicht zwischen einer erworbenen Depression und den „von Haus aus dazu veranlagten“. Liest man jedoch diese Zeilen, in denen sie heulend auf dem Boden ihres Badezimmers liegt, dann kann man sich des Tenors dieses Kapitels nur anschließen: Da war ich auch. Es mag nicht der kalte und geflieste Boden eines New-Yorker-Badezimmers gewesen sein. Aber die Situation, die kennt wohl jede moderne Frau zur Genüge. Und dabei fehlt Mrs. Gilbert genau ein Faktor in dieser Kombination des Unglücks. Sie hat sich gegen ein Kind entschieden, weil sie sich noch nicht für bereit hält. Gute Entscheidung. Für sie und für das Kind.

Berufstätigkeit, Mutter und Ehefrau sein. Für viele mag das mehr als nur locker klingen. Etwas, dass man mit der Dreifaltigkeit der Frau bezeichnen kann. Nur fehlt in dieser Dreifaltigkeit etwas. Und dieses Etwas macht die Frau dann zu dem, was sie eigentlich sein sollte. Mensch. Wo bleibt die Zeit für dieses multi-professionelle Wesen, dass alles zu können hat. Wo ist der Moment, in der Frau sie selbst sein kann. Mrs. Gilbert zeigt deutlich auf, dass – obwohl sie „nur zwei“ dieser Faktoren zu bewältigen hat, auf der Strecke bleibt und ihr Seelenheil – buchstäblich – in den Mantras der indischen Religionslehre sucht.
Dabei hat Elizabeth verdammtes Glück, das sie in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht zu schätzen weiß: einen Verleger, der ihr dieses Jahr der Selbstfindung finanziert. Die meisten Frauen, die ich kenne, bekommen nicht mal eine Kur von der Kasse genehmigt, um die nötige Entspannung finden zu können. Von Selbstfindung will ich gar nicht erst reden.
Deshalb liest sich dieses Buch wie ein Neidmantra aus „Mädchen, du weißt gar nicht, wie gut du es hast“ und „Na sieh mal einer an, es geht doch.“
Mrs. Gilberts Buch ist das Fazit eines Lebens, das erst durch die Suche nach dem Ich einen Menschen formte. So unvollständig sie am Beginn ihres Sabbatjahres ist, so wundervoll und strahlend kann sie den letzten Satz schreiben. Einen Satz, der mich dann wieder mit diesen dürren, blonden Weibern und ihrem Spiel mit den Menschen versöhnt und mich dazu veranlasst, Mrs. Gilbert für alles, was sie in ihrem Leben noch zu tun gedenkt, alles Gute zu wünschen.