Das erste Interview als Autorin

Eine anstrengende, aber wundervolle Erfahrung.

Aveleen Avide hat mich zu meiner Arbeit und den Protagonisten meines letzten Buchs interviewt.

Das Interview gibt es auf ihrem Blog zu lesen.

http://aveleen-avide.blog.de/

Aveleen Avide
… aber natürlich auch von hier aus.

©Aveleen Avide

von Aveleen Pro @ 04.11.2011 – 16:40:02

Willkommen bei Aveleen Avide

Klarissa Klein hat Ihre Inspirationen für die Protagonisten aus „Bürosex“ aus Ihrer eigenen persönlichen Assistenz geholt. ;-) Was hat es mit dem Ruhrgebiet und dem Sauerland auf sich? Es kann schon mal passieren, dass sie den Kochlöffel an ihre Tochter weiterreicht, wenn sie gerade eine tolle Idee für eine Geschichte hat.

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Foto: © Klarissa Klein

Klarissa Klein Autorin und Lektorin.

Klarissa Klein ist im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Seit einigen Jahren lebt sie im Sauerland. Gebiete, die du meiden solltest, hast du dir als Heimstatt ausgesucht. Wie meinst du das?

KLARISSA KLEIN:
Auch wenn beide Landschaften – das Ruhrgebiet und das Sauerland – rein technisch zu Nordrhein-Westfalen gehören, so könnten die Unterschiede in der Mentalität nicht größer sein. Die Menschen im Ruhrgebiet prägt der Umstand, dass ihre Kultur und ihre Weltanschauung aus denen der Zuwanderer – die während der industriellen Revolution ins Ruhrgebiet kamen – zusammen gewürfelt wurden. Geschichtlich gesehen gibt es den „gebürtigen Ruhrgebietler“ ja eigentlich gar nicht. Somit ist der Ruhrpott eine weltoffene Gesellschaft, die mit kumpelhaftem Verhalten Sympathien gewinnt.

Das Sauerland hingegen ist eine strukturell gewachsene Gesellschaftsform, deren Wurzeln in zunächst in der Land- und Forstwirtschaft zu finden ist. Später kamen dann noch die Leuchtenindustrie sowie die Schwermetall verarbeitende Industrie in einigen Landstrichen hinzu. Fremdarbeiter wurden hier kaum gebraucht. Und somit ist der Sauerländer an sich etwas zurückhaltender, auch wenn in den letzten Jahren verstärkt der Tourismus neue Anforderungen an die Menschen hier stellt.

Als „Zugezogene“ kann man mit dieser Zurückhaltung – und man kann es ruhig so nennen – netten Verschrobenheit, seine Anfangsschwierigkeiten haben.
Aus diesen Fakten ergeben sich Konflikte, die sich hervorragend dazu eignen in einem Roman verarbeitet zu werden.
Da ich meine Kriminalromane gerne ironisch und satirisch gestalte, könnte einer meiner Sauerländer auf die Idee kommen, eine der Mordtheorien an der Zugezogenen auszuprobieren. 

Was ist „amative; publisher“ genau und was machst du dort?

KLARISSA KLEIN:
amative; publisher ist mein jüngstes Kind. Ein kleiner Kleinstverlag, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Erotik zu finden, die in den letzten Jahren des schnellen Genusses verloren gegangen ist. Wir – das Team und ich – versuchen Manuskripte zu finden, in denen nicht unbedingt der schnelle Sex im Vordergrund steht, sondern die Beziehung zwischen zwei Menschen und die daraus resultierende Anziehungskraft dieser Personen. Sicher kann es dabei auch zum Akt an sich kommen und wir verweigern uns diesem Umstand in keiner Weise. Dennoch denken wir, dass der Leser den Spaß am Wort und seiner eigenen Vorstellungskraft nicht verlieren darf. Wir sind der Meinung, dass Erotik anregen kann und soll, und auch, dass unsere Leser ein genussvolles Leseerlebnis zu sichern.

Wir machen aber nicht nur in Erotik, wie es so schön heißt. Auch Kriminalromane – hauptsächlich regionaler Natur – finden bei uns ihre Fans. Im Moment bereiten wir die nächste Veröffentlichung in unserer Reihe „Kleine Morde“ vor.

Die Verlagsarbeit ist äußerst spannend und aufregend. Außerdem ist sie für mich als Autorin eine willkommene Abwechslung auch mal über den Tellerrand hinweg zu sehen.

Du schreibst unter den Pseudonymen Ana Riba und Sara Bellford. Was schreibst du unter diesen Pseudonymen?

KLARISSA KLEIN:
Meine erotischen Romane handeln hauptsächlich von Dominanz und Submission, gespickt mit SM-Handlungen innerhalb einer Beziehung

Während mein Pseudonym Sara Bellford im „Lustschmerz“ noch die Spielbeziehung in dieser sexuellen der Spielart zum Inhalt hat, liegt mir bei Ana Riba eher die feste Beziehung am Herzen. Ich möchte mit dem – leider noch – weit verbreiteten Vorurteil aufräumen, dass es solchen Beziehungen nur darum geht, drauf zu schlagen. (Leider kann man auch noch innerhalb der Szene solche Strömungen beobachten).

Meine Intention ist es zu zeigen, dass es sich beim BDSM um eine der intensivsten und vertrauensvollsten Interaktionen im zwischenmenschlichen Bereich handelt, die man sich vorstellen kann. Geben und nehmen sind hier keine Fremdworte. Bedingungsloses Vertrauen auf beiden Seiten ist Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung. Ist das nicht für jeden die Traumvorstellung innerhalb seiner eigenen Beziehung?

Auch möchte ich zeigen, dass es sich hierbei nicht um das Ausleben „postpubertärer Fantasien“ handelt, die man getrost mit dem Synonym pervers versehen kann. Und vor allem möchte ich mit meinen Romanen ein Gegenstück zu der aktuellen Auffassung sein, dass man mal eben einen Hintern verhaut und schon ein „echter SMler“ ist. Viele Kommentare meiner Leser/innen bestätigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, ohne dabei den belehrenden Finger zu zeigen, oder schlimmer noch: langweilig zu werden. Und für diese Bestätigung bin ich meinen Lesern/innen sehr dankbar.

Du lektorierst auch. Für wen?

KLARISSA KLEIN:
Als ich mit meiner Lektoratstätigkeit begonnen habe, waren es hauptsächlich Abschlussarbeiten von Studenten. Dabei war die Psychologie eines meiner Lieblingsthemen. Selten hat man die Gelegenheit, sich in eine Materie so schnell einarbeiten zu können, um gleichzeitig selbst viel über den Menschen an sich zu lernen. Einige meiner Erfahrungen, die ich aus den verschiedensten Themen dieser Arbeiten und der Zusammenarbeit mit meinen Kunden, gewinnen konnte, sind mir bei meiner Arbeit als Autorin mehr als nur hilfreich.

Mittlerweile lektoriere ich hauptsächlich die für amative; publisher eingereichten Manuskripte. Allerdings tue ich dies nicht allein, denn ein Einzelner ist nicht unfehlbar und als Einzelkämpfer am Text kann man – gerade im Korrektorat – schon mal einen Fehler übersehen. Und genau das möchte ich den Autoren nicht antun. Deshalb arbeiten wir im Kollektiv mit anderen freiberuflichen Lektoren zusammen.

Gibt es etwas, das du schon immer mal gefragt werden wolltest und falls ja, was wäre die Antwort auf diese Frage?


KLARISSA KLEIN:

Das ist eine sehr schwere Frage, deren Beantwortung sich wahrscheinlich eher aus der Situation heraus ergeben würde. Ad hoc wüsste ich im Moment keine, die mir selbst unter den Nägeln brennen würde.

Welche Leidenschaften hast du?


KLARISSA KLEIN:

Meine Leidenschaft – so langweilig sich das für andere anhören mag – ist das Beobachten. Ich liebe es im Café zu sitzen und die Menschen um mich herum zu beobachten. Das erklärt wahrscheinlich auch meinen immensen Kaffeeverbrauch.

Wenn du verreist, wo reist du gerne hin und was ist dir an einem Urlaubsort wichtig?


KLARISSA KLEIN:

Für mich muss ein Urlaubsort Charakter haben. Geschichte und Geschichten. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass ich mal einen Urlaub nur am Strand verbracht habe. Ich brauche eher Wind und Stürme, Hügel und weite Himmel. Wettergegerbte Gesichter und stilvolles Leben. Es gibt zwei Orte, an denen ich diese Voraussetzungen finde. Der eine liegt in Südengland und der andere ist die Normandie. Dass es in Frankreich auch noch super tolle Möglichkeiten gibt, versteht sich dabei von selbst.

Was liest du zurzeit? Und wenn du liest, welche Genres liest du am liebsten?

KLARISSA KLEIN:
Im Moment lese ich drei Bücher gleichzeitig, die ich je nach Stimmungslage in die Hand nehme. Da wäre zum Beispiel der Nachfolgeroman von Elisabeth Gilberts Welterfolg „Eat, Pray, Love“ – Das Ja-Wort“- eine interessante Abhandlung über die Bedeutung der Ehe in den verschiedensten Kulturen und – natürlich – der weitere Selbstfindungsweg von Mrs. Gilbert. Das zweite Buch heißt „Harold – Einzelkind“; wunderbarer schwarzer englischer Humor.

Als Drittes liegt ein Klassiker auf meinem Nachttisch: Ernest Hemingway „Der alte Mann und das Meer“. Ab und an lese ich auch mal einen erotischen Roman einer meiner Kolleginnen, einfach um eine andere Sicht der Dinge zu erhalten. Du siehst also: Es gibt kein besonderes Genre. Nur inspirierend muss es sein.

Wie viele Manuskripte musstest du versenden, bis dein erstes Buch bei einem Verlag angenommen wurde? Wie war der Vorgang und wie kam es letzt endlich zur Veröffentlichung?


KLARISSA KLEIN:

Ich glaube, dass ich nicht die typische Autorenkarriere hinter mich gebracht habe, denn ich habe nur ein Manuskript verschickt. Eine Testleserin war so begeistert, dass sie mich ermunterte, einen Verlag zu kontaktieren. Dass dieser Ablauf nicht typisch ist, habe ich in den letzten Jahren auch gelernt. Deshalb glaube ich, dass ich eine gehörige Portion Glück hatte.

Was ist schreiben für dich?

KLARISSA KLEIN:
Viel und Alles. Zum einen ist es mir ein inneres Bedürfnis geworden, mich in Worte zu fassen und auf diese Art mitzuteilen. Zum anderen kann dieses Bedürfnis auch schon mal zum Kampf werden, wenn mich meine Protagonisten nicht schlafen lassen wollen und ihre Diskussionen während meiner Träume fortführen. Aber mittlerweile kann ich nicht mehr ohne das Schreiben leben.

Es gibt viele Manuskripte auf meiner Festplatte, die ich – zunächst einmal – nur für mich geschrieben habe. Skizzen, die ich vielleicht irgendwann mal ausarbeiten werde. Im Moment sind sie aber nur für mich. Manchmal entlocken sie mir ein Lächeln, ab und an Wut, aber immer Leidenschaft. Also kann ich wohl sagen, dass das Schreiben für mich vor allem eines ist: Leidenschaft.

Wolltest du schon immer schreiben?

KLARISSA KLEIN:
Seltsamer Weise: Nein. Mir wurde zwar immer das gewisse Talent dazu attestiert, aber das ich mal meine Sonntagsbrötchen damit finanzieren könnte, kam mir nie in den Sinn. Als ich den „Lustschmerz“ schrieb, habe ich das auch erst einmal hauptsächlich zu meinem eigenen Vergnügen getan. Ich konnte damals austesten, was geht und was man besser niemals aufschreiben sollte. Wobei ich mich gut an den Tag erinnern kann, an dem ich meinen ersten Kuss beschrieben habe. Ich hatte solches Herzklopfen wie bei meinem ersten realen Kuss. Als ich die Szene Tage später Korrektur las, war ich über mich und die bildliche Darstellung der Szene mehr als nur erstaunt. Somit kann ich sagen, dass das Schreiben für mich in kleinen Schritten begann. Wie beim Klettern in einer Steilwand. Immer nur so weit, wie das Seil bis zum nächsten Haken reicht.


In „Bürosex“ geht es lt. Droemer-Knaur-Verlag um:
Was passiert nach Geschäftsschluss im Büro, wenn Chef und Sekretärin allein sind …? June und Ava erfahren, was es heißt, sich um das “persönliche Wohl” ihrer Chefs zu sorgen. Während Junes Chef gleichzeitig von seiner verheirateten Klientin Susan verführt wird, setzt Avas Boss Gordon seine zu Anfang noch widerspenstige Assistentin an die oberste Stelle seiner Eroberungen …

Wie kamst du auf die Idee zu „Bürosex“?

KLARISSA KLEIN:
Der „Bürosex“ ist eine Zusammenfassung aus der realen Erfahrung meiner Tätigkeit als Assistentin, mit dem, was sich der Leser vorstellen mag, dass es in einer solchen Beziehung passieren könnte. Ich habe selbst beinahe zwanzig Jahre in der persönlichen Assistenz gearbeitet und bin dabei den verschiedensten Persönlichkeiten bei meinen Vorgesetzten begegnet. In diesen Jahren ist natürlich auch eine Menge Klatsch und Tratsch zutage gefördert worden, den ich jetzt in meinen Geschichten verarbeiten kann.

Ich bin sicher, dass du für „Bürosex“ recherchieren musstest. Ist dir bei den Recherchen etwas Überraschendes, Außergewöhnliches, vielleicht sogar Witziges passiert?

KLARISSA KLEIN:
Von Putzfrauen, die auf den Tischen tanzten bis hin zu Vorgesetzten, die still und leise in ihre Kaffeetasse weinten, ist mir da einiges untergekommen. Auch der tägliche Kleinkrieg unter Kollegen war dabei. Ich denke, wenn ich sage, dass das Leben die beste Recherche ist, dann ist das nicht zu viel gesagt. Somit recherchiere ich beinahe täglich.:-)

Wie gingst du an den Plot für „Bürosex“ heran? Könntest du uns ein Beispiel für deine ersten Überlegungen zur Handlung von „Bürosex“ geben?

KLARISSA KLEIN:
„Bürosex“ beinhalte zwei Kurzgeschichten. Beide zum Thema Assistentin und Chef. Die Idee für „Die Praxis“ kam mir tatsächlich in einer Arztpraxis. Allerdings war das ein Zahnarzt und kein Psychologe. Dieser Zahnarzt beschäftigte – neben seinem medizinischen Personal – eine junge Frau, die meiner June aufs Haar gleicht.

In der Geschichte „Freunde und Frauen“ wird die zurückhaltende Ava die Geliebte ihres Chefs Gordon. Auch diese beiden Personen haben einen realen Hintergrund. Die Geschichte liegt zwar schon ein paar Jahre zurück und leider gab es da kein Happy End, aber das habe ich in meiner Geschichte eigenmächtig geändert.

Fallen dir Dialoge, Charaktere oder szenische Darstellungen leichter, fällt dir alles gleich leicht oder anders gefragt, magst du alles gleich gerne?

KLARISSA KLEIN:
Es kommt darauf an, in welcher Stufe der Ausarbeitung eines Manuskripts ich mich gerade befinde. Im „Lustschmerz“ gibt es ein Kapitel, bei dem die Dialoge zuerst da waren. (Kay) In einem solchen Fall ist es für mich einfacher, die Szene zu konstruieren. Manchmal ist aber einfach nur ein Gefühl da und dieses möchte ausgearbeitet werden. Da kann es dann schon mal passieren, dass drei oder vier Versionen der Beschreibung in die Mülltonne fliegen. In solchen Augenblicken hadert man schon einmal mit sich und seiner Geschichte. Findet man dann aber endlich den Punkt, dann ist es ebenso einfach weiter zu machen. Ich kann also nicht sagen, was mir leicht fällt. Aber wenn ein Manuskript dann fertig ist, dann bin ich teilweise schon so geschafft, als hätte ich auf dem Bau Steine geschleppt.


Wie hast du es geschafft, dass keine losen Fäden im Buch übrig bleiben?

KLARISSA KLEIN:
Ich hoffe doch, dass mir das gelungen ist. Und ich vermute, dass es daran liegt, dass ich jedes Mal zunächst alles lese, was ich geschrieben habe, um nach einer Pause wieder in die Geschichte und den Ablauf hineinzufinden. So bin ich auch in der Lage, Geschehnisse, die den Lauf der Geschichte beeinflussen, wieder aufzugreifen und auszuarbeiten. Ich denke auch, dass das für den Leser spannender ist.

Wie gingst du an die Protagonistin June heran? Würdest du uns dafür einfach mal ein Beispiel für die ersten Überlegungen zur Figur geben?

KLARISSA KLEIN:
June ist nach einer realen Person entstanden. Für mich war diese Frau die perfekte Verkörperung einer selbstbewussten Frau, die weiß was sie will und die vor allem weiß, was sie braucht.
Ava war da schon etwas schwieriger zu gestalten.

Wichtig ist für mich, dass meine Leser/innen nachvollziehen können, was meine Darsteller gerade tun und warum sie es tun. Charakterstärke muss allen meinen Protagonisten und selbst den Antagonisten gegeben sein, damit ich mit ihnen arbeiten kann.

Gingst du zuerst monatelang mit der Geschichte schwanger und fingst dann zu schreiben an oder hast du alle Recherchearbeiten abgeschlossen, das Exposee ist fertig und du beginnst zu schreiben? Wie muss man sich das vorstellen?

KLARISSA KLEIN:
Für gewöhnlich habe ich eine Idee, die ich ziemlich schnell niederschreibe. Meist sind es zehn oder zwanzig Seiten, die mir die Grundstruktur und eine mögliche Richtung aufzeigen. Und dadurch, dass ich sie aufschreibe, bleibt sie mir im Gedächtnis erhalten.

Es passiert recht häufig, dass ich eine neue Idee habe, während ich an einem ganz anderen Thema arbeite. Damit ich diese Idee nicht verliere, arbeite ich sie so weit wie möglich aus, damit ich später daran weiter arbeiten kann. So ging es mir mit meiner neuen Kurzgeschichte „Meine Lust – Die Geständnisse eines Schwerenöters“. Sie kam mir während der Arbeit zu einem Krimi und ich konnte sie darin nicht verarbeiten. Also: Aufschreiben, skizzieren und dann am Krimi weiterarbeiten.

Was ich gar nicht kann – und ehrlich gesagt auch nicht will – ist, zunächst ein Exposé zu schreiben. Auch wenn man darin eine Struktur ausarbeitet, ist man doch zu sehr gebunden. Denn meist spielt mir meine Fantasie einen Streich und es kommt doch etwas ganz anderes als ursprünglich geplant.


Wie muss man sich einen Tag in deinem Leben vorstellen, wenn du an einem Buch arbeitest?


KLARISSA KLEIN:

Wenn ich so könnte, wie ich wollte, dann würde ich mich hinter meiner Bürotür verbarrikadieren und die Welt außen vor lassen. Das ist aber leider ein Wunschtraum. Schließlich habe ich Familie.

Meist arbeite ich am frühen Morgen, wenn meine Leute außer Haus sind. Aber wie das so ist mit der Kreativität. Die schert sich einen feuchten Kericht um Zeiten. So kann es dann schon mal passieren, dass ich in der Küche stehe und den Kochlöffel an meine Tochter weitergebe und sage, dass ich gleich wieder da bin.

Ganz schrecklich ist für mich bügeln. Da sprießen die Ideen nur so. Zum Glück stehen Bügelbrett und Schreibtisch dicht nebeneinander, so dass ich doch beides hinbekomme.

Wo schreibst du am liebsten?

KLARISSA KLEIN
In meinem Büro mit Gartenblick und an meinem antiken Schreibtisch. Zwischen diesem Schreibtisch und mir besteht so etwas wie eine Hassliebe. Das Holz ist so wunderbar alt, dass es mir – ganz romantisch – Geschichten zuflüstert. Allerdings ist der Tisch so schwer und unhandlich, dass ich mir ständig das Knie an der Kante anstoße und das gute Stück einige unflätige Flüche hinnehmen musste.

Mein Büro bietet mir aber die Umgebung, die ich brauche um mich konzentrieren zu können. Leider kann ich nicht im Garten arbeiten, da mich die Geräusche zu sehr ablenken. Das wird auch der Grund sein, dass ich einen so blassen Teint habe.

Hörst du auch Musik beim Schreiben und wenn ja, welche, oder brauchst du absolute Stille?


KLARISSA KLEIN

Oh ja. Musik gehört für mich zum Leben dazu. Leider, wie meine Familie bestätigen kann. Denn ich singe gerne laut und – leider – ziemlich falsch mit.

Für romantische Szene bevorzuge ich die Musik von Roxy Music und Brian Ferry, aber auch die Dire Straits, ab und an mal Kate Bush.

In Passagen, in denen sich meine Protagonisten mit mir streiten, darf es dann auch schon mal HardRock sein.

Wirst du von einer Agentur vertreten? Und falls ja, was ist für dich der Vorteil, von einer Agentur vertreten zu werden?

KLARISSA KLEIN
Nein, leider habe ich noch keine Agentur. Allerdings suche ich seit geraumer Zeit eine Vertretung für mich und meine Angelegenheiten. Es ist einfach praktischer und wesentlich entspannter, wenn man jemanden hat, der einem unliebsame Dinge abnimmt.

An welchem Buch arbeitest du derzeit und darfst du schon ein wenig darüber verraten?

KLARISSA KLEIN:
Doch, ich denke, dass ich schon mal einen Appetizer in die Runde werfen kann … 
In meinem nächsten Roman geht es um Isabelle und ihrer Reise in ihre eigene Lust. Es wird wieder ein Assistentinnen-Chef-Roman werden. Allerdings ist er dieses Mal in Paris angesiedelt. Isabelle ist Galeristin und ihr Chef Xavier ein Hundertsassa wie er im Buche steht. Trotzdem kommen die beiden zunächst nicht zusammen. Wie ein Held in strahlender Rüstung muss Xavier seine Isabelle erst aus den Fängen eines anderen retten. Ich verrate auch nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass es ein Happy End nach einer spannenden Entführung geben wird.

Welchen Tipp hättest du für angehende Autoren, die einen erotischen Roman veröffentlichen möchten?

KLARISSA KLEIN:
Bitte niemals auf das Urteil von Familienangehörigen oder besten Freunden verlassen. Sich mit dem, was man schreibt, einfach mal in die Anonymität der Internetforen geben und testen, wie man dort ankommt. Viele Foren bieten hilfreiche Tipps. Und wenn man dann irgendwann meint, man wäre so weit… Nicht bei der ersten Absage eines Verlags aufgeben. Weitermachen ist die Devise.

Klarissa, vielen Dank für das Interview.

KLARISSA KLEIN:

Ich habe zu danken.

Vielen Dank an eine liebe Kollegin.

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