Der real existierende Lesefluss und die alten Männer…

(eine Nachlese zur Leipziger Buchmesse 2013)

Nirgendwo sind die Grabenkämpfe innerhalb der Gesellschaft deutlicher zu erkennen als in den Bücherregalen der Nation.
Mal davon abgesehen, dass beinahe ein Drittel der Bundesbürger gar nicht liest, weil sie nicht in der Lage sind, die aneinander gereihten Buchstaben zu sinnvollen Wörtern zusammenzufügen und sich somit lieber „vorlesen“ lassen oder dies durch den Griff zur Fernbedienung auch tun … sind die Differenzen zwischen dem, was Gelesen wird und dem, was Gelesen werden sollte, so tief wie niemals zuvor.

Auf der Fahrt hin zum medialen Ereignis durfte das Autorenkind auch zeitweise dem Literaturradio Figaro lauschen. Dort ließen sich Moderator und Experten darüber aus, dass in Leipzig kaum Belletristik für den Hauptpreis nominiert war, in welcher man das literarische Schreiben vorfinden würde.

Nun könnte man diesen Experten vorwerfen, dass sie sich schlicht im falschen Bereich der Ausstellungsräume aufgehalten haben, denn das AK und seine liebevolle Entourage wurden von der Vielfalt der Erzählungen beinahe erschlagen.

Was also haben diese sogenannten Experten vermisst? Die Kriegsveteranen, die ihre Fahnenflucht in epischer Breite, ausführen? Die gelebte tödliche Krankheit? Das Verfolgt werden aufgrund von religiösem Anders sein? Wobei Letzteres gerade wieder ins Altbewährte flüchtet und vom missverstandenen Moslem die Landesgrenze zum Judentum überschreitet. Ja, auch die Literatur ist eine Modeerscheinung.

Wir haben Bücher gefunden, die Märchen erzählen, Geschichten aus dem Leben an den Leser – respektive Leserin – bringen. Romane mit biografischen Grundlagen ebenso wie die bunte Welt der Comics – die genauso Geschichten erzählen, diese nur eben anders umsetzen.

Seltsamerweise waren die Stände, an denen eben dieses „literarische Schreiben“ angeboten wurde, nur dann gefüllt, wenn das Kulturfernsehen die Kameras im Anschlag hatte. Scheint, dass der Leser gar nicht weiß, dass es diese Verlage „noch“ gibt. Noch … denn die Grenze zwischen der E-Literatur und dem, was Leser wirklich will, ist beinahe so unüberwindlich wie seinerzeit die Mauer.

Und damit kommt das AK auf den Punkt der Krux:
Diese unerträgliche Arroganz der sogenannten Experten … wer hat die eigentlich ernannt? … gegenüber dem Leser, der in die Buchhandlung geht, sich eines schnappt und Spaß am Lesen an sich hat, ist widerlich.
Die Inspiration, die diese Leser aus dem ziehen, was dort zwischen zwei Buchdeckeln geschrieben steht, ist es genauso wert genannt zu werden, wie das, was bei Suhrkamp und Konsorten feil geboten wird.

Dieses bewusste Brüskieren der Leser ist unverschämt und rächt sich: In Kleinkriegen innerhalb der Verlage, in den so wichtigen Verkaufszahlen, die Existenzen entscheiden. Würden diese Experten die von ihnen so gesuchte, geliebte und geschätzte erzählende Literatur mit dem gleichen Verständnis und derselben Fürsorge an die Leser empfehlen, wie sie das Fehlen derselbigen bemängeln…

… dann dürfte Leser wieder das sein, was er tatsächlich ist:

Ein begehrtes, verstandenes Objekt der Begierde.

In diesem Sinne

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